Eine Wohnung zu finden, dürfte für alle eine Herausforderung sein. Aber je geringer die Mittel sind, die einem zur Verfügung stehen, desto schwieriger wird es. Und genau das ist die Realität für Studierende aus Nicht-EU-Ländern.
Von Étienne Soudier
Stellen Sie sich vor, Sie leben im Senegal und verdienen dort ein durchschnittliches Monatsgehalt von etwa 200 Euro. Um nun fürs Studium nach Frankreich zu kommen, müssen 2.700 Euro Einschreibegebühren bezahlt werden. Und eine monatliche Miete.
In Frankreich wird es in den Großstädten immer schwieriger, eine Wohnung zu finden. Die am stärksten benachteiligten Bevölkerungsgruppen, zu denen auch Studierende gehören, sind am häufigsten davon betroffen. Der Mietmarkt ist zwischen Oktober 2021 und Oktober 2024 um knapp 32 Prozent geschrumpft. Die Mieten sind explodiert und laut Schätzungen des französischen Online-Portals “Seloger” im Jahr 2024 um vier Prozent gestiegen.
Für Studierende aus Nicht-EU-Ländern, also jenen, die keine Staatsangehörigkeit der Europäischen Union (EU) besitzen, ist die Lage noch angespannter. Abdou Gueye, arbeitett als Stellvertreter im Sozialbereich der “Association des Etudiants et Stagiaires Sénégalais de Strasbourg” (AESSS) – dem Verband der Senegalesischen Studierenden und Praktikant:innen in Straßburg. Er berichtet über die Situation der Studierenden, die er betreut: „Wenn man ein Budget von 600 Euro im Monat hat, ist die einzige Lösung eine Crous-Wohnung”, also ein Platz im Studierendenwohnheim. 500 Euro Miete auf dem privaten Wohnungsmarkt zu zahlen, sei nicht möglich, sagt Gueye.
Die Studierenden bewerben sich oft für eine Unterkunft beim Crous
Ihr geringes Einkommen, das oft aus einer Teilzeitbeschäftigung stammt, erlaubt es ihnen, sich auf ein Zimmer im Wohnheim zu bewerben. Allerdings sind die Studentenwohnheime meistens voll – und manchmal fehlen die erforderlichen Unterlagen. Laut dem Sekretär der AESSS ist die Bewerbung nur mit einem Arbeitsvertrag oder AVI gültig – einer Bescheinigung über eine unwiderrufliche Überweisung: eine Summe von 5.000 Euro, die für die Dauer des Studiums gesperrt ist und bei Zahlungsausfall eingezogen wird.
Also müssen sich Studierende manchmal dem privaten Markt zuwenden – und dort ist es viel komplizierter. Denn sie stehen im Wettbewerb mit französischen Studierenden. Wenn diese eine Bürgschaft haben, habe es nicht denselben Stellenwert, berichtet Gueye. Da die Einkommen im Senegal viel geringer sind, können die Studierenden meist nicht mithalten.
Und das geschieht ganz abgesehen vom Rassismus, den Betroffene bei der Wohnungssuche oft erfahren. Der Befragung des Vereins SOS Racisme in der Region Île-de-France zufolge bestehen die Chancen für eine Person maghrebinischer Herkunft einen Mietvertrag zu bekommen bei rund 50 Prozent. Für Menschen subsaharischer Herkunft ist sie sogar geringer. In 55 Prozent der Fällen bekommen sie keinen Vertrag. Und das, obwohl sie die gleichen Unterlagen wie weiße Berwerber:innen einreichen.
Im Haushalt wird die Abschaffung der Wohnbeihilfe diskutiert
Aktuell sieht die Gesetzeslage nicht danach aus, als würde sich die Lage verbessern. Der Entwurf des Haushaltsgesetzes 2026 könnte die individuelle Wohnbeihilfe (APL) für ausländische Studierende abschaffen. Die Folge für die rund 300.000 ausländischen Studierenden in Frankreich wäre der Absturz in die Prekarität und möglicherweise der Verlust der Wohnung.
Angesichts dieses Problems organisieren sich die Studierenden langsam. Die AFGES (Association Fédérative Générale des Etudiants de Strasbourg) bietet beispielsweise ein System für Notunterkünfte an. Doch das Grundproblem bleibt bestehen. Und dagegen kämpfen Organisationen wie SOS Racisme oder die AESSS, um allen Menschen den Zugang zu Wohnraum zu ermöglichen.
Über den Autor

Étienne studiert Geographie und Raumplanung. Er hat sich für dieses Studium entschieden, um gegen sozio-räumliche Ungleichheiten zu kämpfen. Dieses Projekt war für ihn daher eine logische Fortsetzung und eine Möglichkeit, eine neue Perspektive auf dieses weit verbreitete Problem zu gewinnen.