Von Lucile Pretin
Das ist das Motto des französischen Vereins »SOS Racisme«, der gegen die Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus in Frankreich kämpft. Im Elsass hat José Kouamé die Organisation gegründet, heute ist er deren Präsident. Etwa sechzig Freiwillige mobilisieren sich gegen Rassismus – manche von ihnen sind selbst betroffen. José Kouamé hat angefangen, sich zu engagieren, nachdem sein Sohn Opfer von rassistischen Taten in der Schule wurde. »Ich kämpfe dafür, dass die Gleichheit, die die Basis unserer Gesellschaft ist, respektieret wird. Frankreich gehört uns allen.«
Heute ist die elsässische Gruppe von SOS Rassismus sehr aktiv: Jeden Monat organisieren sie verschiedene Aktionen. Es gibt 3 unterschiedliche Typen: die volkstümliche Bildung in den Schulen, die juristische Begleitung der Opfer von Diskriminierung und die Organisation von kulturellen Ereignissen.
Durch die volkstümliche Bildung sorgen die Freiwillige für Sensibilisierung für das Thema in Schulen. »Wir reden mit den Schüler:innen darüber, was ist Rassismus ist und warum er vom Gesetzt bestraft werden kann.«
Kouamé legt Wert auf Interaktivität in diesen Workshops, die das Ziel haben, Diskussionen zu eröffnen und über das Thema zu reflektieren – was viel zu oft zu kurz kommt. Ziel ist auch, »den Kindern zu verdeutlichen, dass sie diese Ungleichheiten nicht tolerieren dürfen, dass sie sie verurteilen sollen, dass sie sie anprangern sollen.«
Kouamé unterstreicht die politische Neutralität, die SOS Rassismus behalten möchte. »Zum Beispiel sprechen wir nicht vom »nationalen Aufmarsch« (der französischen rechtsradikalen Partei) in den Schulen, wir bestehen auf unsere Neutralität.« Dennoch beobachtet Kouamé in den letzten Jahren eine akzeptierte rassistischen Sprache, die seiner Meinung nach mit dem Aufstieg der Rechtsextremen zusammenhängt.
Allerdings sind die Aktionen des Vereins nicht auf die volkstümliche Bildung begrenzt. Der Verein bietet auch juristische Permanenz an. Eine freiwillige Anwältin sammelt die Erfahrungsberichte und hilft den Opfern von Rassismus vor Gericht.
Innerhalb von einem Jahr war der elsässische Verein in sechs Prozesse involviert und gewann zwei von ihnen, darunter ein Prozess, in dem der Schuldige die Gefängnisstrafe bekam. »Im [ französischen ] Gesetz steht, dass Rassismus bestraft wird, mit bis zu 3 Jahren Haft und 45 000 Euro Geldstrafe. Das ist die Theorie, aber in der Praxis gehen die Schuldigen selten ins Gefängnis, weil wir das Problem in Frankreich haben, dass die Gefängnisse zu voll sind…«
Der Verein macht auch Testings, um »die unterschiedlichen Behandlungen von Menschen festzustellen«. Zum Beispiel werden Unterkünfte von verschiedenen Personen befragt.
»Ich heiβe José Kouamé, ich habe einen fremdklingenden Name. Wenn ich mich selbst und eine Person mit dem Name Martin für die selbe Wohnung bewerben, werden wir sehen, dass es eine unterschiedliche Behandlung zwischen uns zwei gibt. Der Eigentümer wird mich gewöhnlich ablehnen und Herrn Martin die Wohnung geben.«
Die Ergebnisse dieser Testings sind aufschlussreich: Nach einer neuen Studie, die von SOS Rassismus in Lothringen durchgeführt wurde, »sind 75 % der [in Lothringen geprüften] Wohnungsbehörden diskriminierend.«
Die Ergebnisse der Testings wurden dann an eine Anwältin gesendet. Wenn sich die Wohnungsbehörden bessern und keine diskriminierenden Entscheidungen mehr treffen, leitet SOS Rassismus kein Gerichtsverfahren ein.
Die Idee des Vereins ist nämlich, »die Mentälitäten durch Pädagogik zu verändern, und nicht unbedingt durch Repression.«
Der letzte Aktionspunkt des Vereins ist die Organisation von kulturellen Ereignissen, darunter literarische Cafés oder Diskussionsveranstaltungen.
Zum Schluss empfiehlt José Kouamé den Personen, die von Rassismus betroffen werden, unbedingt darüber zu sprechen. »Man darf sich nicht sagen das bringt nichts. Man muss darüber sprechen und man darf nicht zögern, anti-rassistische Vereine zu kontaktieren und sie um Hilfe zu bitten.«
Über die Autorin:

Die 18-jährige Lucile ist Französin und studiert an der Universität Straßburg im Bachelorstudiengang »Europäische Transkulturelle Studien«. Sie hat sich entschlossen, an diesem deutsch-französischen Blog-Projekt teilzunehmen, um denjenigen eine Stimme zu geben, die unter Rassismus und Populismus leiden, aber auch jenen, die gegen Diskriminierung kämpfen.