Krieg im Sudan – Um was geht es eigentlich?                                       

Im Sudan, im Nordosten des afrikanischen Kontinents, herrscht seit April 2023 Krieg. Das sudanesische Militär und die paramilitärische Gruppe Rappid Support Forces (RSF) bekämpfen sich auf brutale Art und Weise. In dem Konflikt geht es um die Macht im Land und um wirtschaftlichen Einfluss. Zum Beispiel um Zugänge zu natürlichen Ressourcen, wie den Goldminen des Landes. Und ausländische Akteure sind daran beteiligt – zum Leid der Zivilbevölkerung, die millionenfach auf der Flucht ist und zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Kriegsparteien erleidet.

Von Ole Kuhn

Obwohl die Vereinten Nationen die Lage im Sudan als aktuell größte humanitäre Krise bezeichnen, ist der Sudan in der deutschen Berichterstattung wenig präsent. Im August 2025 war das auch Thema im Heute Journal Podcast: Golineh Atai, ZDF-Korrespondentin in Kairo und damit auch zuständig für die Berichterstattung aus dem Sudan sagte darin, dass es derzeit für ausländische Journalisten schwer sei, ins Land zu kommen. Damit sei es kompliziert, an unabhängige Informationen zu kommen, da beispielsweise viele Journalisten vor Ort wegen akuter Bedrohungen durch die Kriegsparteien fliehen mussten. Augenzeugenberichte gebe es, sie seien aber schwierig zu organisieren.

Ausländische Akteure sind interessiert an Ressourcen

Die beiden sudanesischen Kriegsparteien erhalten finanzielle und materielle Unterstützung von ausländischen Regimen. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten beispielsweise sind unter anderem am Goldmarkt interessiert, oder bereits daran beteiligt. Einem Bericht des Senders ARTE zufolge beliefern die VAE die RSF mit Waffen und Fahrzeugen. Im Gegenzug wird das Land mit sudanesischen Gold beliefert. Russland beliefert die RSF demnach ebenfalls mit Waffen, ist laut ARTE aber auch mit Militärchef Al-Burhan in Verhandlungen, um eine russische Marinebasis im Gebiet zu bauen, das vom sudanesischen Militär kontrolliert wird. Es liegt direkt am Roten Meer – eine wichtige Handelsroute.

Im ARTE-Bericht heißt es auch: Das sudanesische Militär unter Al-Burhan werde von Ägypten mit Waffen, aber auch von der Türkei mit Drohnen beliefert. Alle diese Länder wollen in der Region und im Sudan Einfluss erlangen, oder haben strategische Interessen. Dazu gehört auch Sudans Nachbarland Äthiopien. Im Sudan gibt es die fünftgrößten Goldvorkommen weltweit, Zugang zu fruchtbaren Böden und zu wichtigen Handelspunkten. Laut Berichten des Nachrichtensenders Deutsche Welle (DW) finanzieren die Kriegsparteien sich und ihre Waffenkäufe im Ausland mit dem Gewinn aus den Goldminen, die sie selbst kontrollieren.

Sind auch deutsche Waffen im Sudan?

Viele Staaten haben Verbote von Waffenlieferungen in den Sudan verhängt. Für Länder der EU gilt seit 1994 ein sogenanntes „Waffenembargo“. Doch die sudanesische Armee und die paramilitärische Gruppe RSF sind abhängig von externen Waffenlieferungen. Für Staaten wie die VAE ergibt sich dadurch ein lukratives Geschäft. Durch diese Abhängigkeiten und wirtschaftlichen Interessen von außen werde der Krieg aufrechterhalten, so die Deutsche Welle. Ein perfider Kreislauf, unter dem vor allem die Zivilbevölkerung leidet. Schätzungsweise sind seit April 2023 150.000 Personen im Krieg ermordet worden. Die Mehrheit von ihnen seien Zivilist*innen, so das französische Online-Magazin Mediapart in einem Bericht.

Recherchen des investigativen SWR-Formats Report Mainz ergeben, dass mutmaßlich in Deutschland hergestellte Waffen und Rüstungsteile im Sudan eingesetzt werden. Die VAE sollen demnach gute Handelskontakten zur deutschen Rüstungsindustrie demnach. Allein in den vergangenen zehn Jahren genehmigte die Bundesregierung Waffenexporte in Höhe von 1,1 Milliarden Euro dorthin, fand Report Mainz heraus. Und das obwohl die Emirate Experten zufolge immer wieder Waffen weitergeschmuggelt haben sollen, auch in den Sudan.

Das Waffenembargo würde so umschifft beziehungsweise nicht respektiert werden, so Report Mainz. Staaten, die Waffen aus der EU kaufen, dürfen diese ebenfalls nicht in dem vom Embargo betroffenen Land einsetzen. Wie es in dem Bericht heißt, fordere der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahtemović, eine stärkere Kontrolle von Rüstungsexporten aus Deutschland, sowie eine stärkere Kontrolle des Verbleibs der Waffen. Er spreche sich gleichfalls für ein Überdenken von zukünftigen Waffenexporten in Länder aus, die das Waffenembargo in der Vergangenheit nicht respektiert hätten.

Wenig internationale Aufmerksamkeit: Was sind die Perspektiven?

Mehr Berichte über den Krieg könnten helfen, auf die Situation im Sudan aufmerksam zu machen. Und eine breitere Berichterstattung könnte dazu führen, dass aus der Zivilgesellschaft mehr Druck zum Handeln von politischer Seite gefordert wird – beispielsweise was Waffenlieferungen angeht.. 

Die DW argumentiert außerdem, dass es eine internationale Zusammenarbeit brauche, um den Krieg beenden zu können. Mit dem gemeinsamen Ziel, die Lebensbedingungen der Zivilgesellschaft zu verbessern. Diese Zusammenarbeit brauche es, um ein diplomatisches Gegenwicht zu den internationalen Akteuren herzustellen, die die Kriegsparteien unterstützen und dahinter eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen. Für eine nachhaltige Veränderung und ein mögliches Ende des Krieges.

Über den Autor

Ole Kuhn (25) studiert an der Uni Freiburg Islamwissenschaften und Romanische Sprachen und Literatur. Ole hat eine Schwäche dafür, sich für Uniprojekte in politische oder historische Themenkomplexe einzulesen, über die Ole zuvor noch nicht viel wusste. So ist auch dieser Artikel entstanden. Die teils spärliche Berichterstattung in Deutschland über den Krieg im Sudan nimmt Ole als Anlass, für sich selbst und die Leser*innenschaft dieses Blogs einen wichtigen Faktor in diesem Krieg unter die Lupe zu nehmen.

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