Von Daniels Deksnis
Entgegen allen Prognosen wurde Donald Trump im November 2024 erneut zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.
Von Anfang an war klar, dass die Wirtschaft bei der Wahl eine entscheidende Rolle spielen würde – besonders in einem Land wie den USA, das seit Jahrzehnten von Deindustrialisierung und einer schlecht verdauten Globalisierung geprägt ist.
Die wirtschaftlichen Sorgen der Amerikaner*innen
Laut dem Bologna Institute steuern die Vereinigten Staaten auf eine Rezession zu, ihre Wirtschaft wird sich also verschlechtern. Für Arbeitnehmende bedeutet das weniger Gehalt. Ist der amerikanische Traum tot? Diese Sorgen gingen den Durchschnittsamerikaner*innen durch den Kopf, bevor sie zur Wahlurne schritten. Doch entspricht das der Wahrheit? Ist die US-Wirtschaft wirklich im Niedergang?
Laut Trading Economics wird das Wirtschaftswachstum der USA auf 0,7 % geschätzt, verglichen mit 2,8 % im Vorjahr. Gleichzeitig geben fast die Hälfte der Amerikaner*innen mehr als 30 % ihres Einkommens für Miete aus (Stand 2023). Die Preise sind etwa 20 % höher als zu Beginn von Joe Bidens Amtszeit. Das hinterlässt bei vielen den Eindruck, dass die Demokraten die Wirtschaft nicht im Griff haben.
Obwohl die Löhne laut dem Arbeitsministerium um 3,9 % gestiegen sind, liegen sie immer noch unter dem Niveau früherer Jahre. Trotz positiver Indikatoren wie niedriger Arbeitslosigkeit und sinkender Inflation bleiben viele Amerikaner*innen unzufrieden – vor allem wegen hoher Preise und fehlendem bezahlbarem Wohnraum.
Geformte Wahrnehmungen
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Leben in Amerika heute nicht schlecht ist. Das Problem liegt viel eher im kollektiven Gedächtnis der Amerikaner*innen: Sie erinnern sich an Zeiten, in denen es ihnen besser ging. Laut CNN nutzte Donald Trump diese Nostalgie mit Slogans wie: »Die US-Wirtschaft brennt«.
Trump stellte die Sorgen der Wähler*innen in den Mittelpunkt: steigende Lebensmittelpreise, fehlende bezahlbare Wohnungen sowie hohe Ausgaben für Medikamente und die Gesundheitsversorgung.
Die Ökonomin Ulrike Malmendier erklärte: »Die steigenden Preise und die Inflation haben zu tiefem Unmut geführt.« Trump versprach, die Unternehmenssteuern von 21 % auf 15 % zu senken. Allerdings ist die Umsetzbarkeit dieser Maßnahme fraglich.
Potenzielle wirtschaftliche Konsequenzen
Laut Deutschlandfunk könnten Trumps geplante Zölle erhebliche Auswirkungen auf das US-Bruttoinlandsprodukt haben – mit einem Rückgang von etwa 1,4 %. Ironischerweise hat die Federal Reserve durch Zinserhöhungen zur Bekämpfung der Inflation Kredite (Hypotheken, Autokredite) verteuert. Obwohl die Fed nun beginnt, die Zinsen zu senken, werden die Amerikaner*innen die Auswirkungen erst mit Verzögerung spüren – wahrscheinlich erst während Trumps Präsidentschaft.
Darüber hinaus könnte Trumps Sieg die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen verschlechtern. Seine protektionistische Handelspolitik und Strafzölle drohen der deutschen Wirtschaft erhebliche Probleme zu bereiten.
Eine starke politische Figur
Die Wähler*innen gaben an, Trump nicht nur in wirtschaftlichen Fragen mehr zu vertrauen, sondern auch in Bereichen wie Einwanderung, Kriminalität und Außenpolitik. Trump pflegt sein Image als starker Anführer. Laut einer aktuellen Umfrage halten 57 % der Amerikaner*innen ihn für »stark«, darunter 31 % Demokraten – berichtet das Magazin Perspective Daily.
In schwierigen Zeiten sehnen sich viele Menschen nach einer starken politischen Figur. Die amerikanische Geschichte ist voll von Beispielen für diesen Trend. Doch die eigentliche Notwendigkeit besteht in einem wirtschaftlichen und sozialen Wandel – ohne autoritäre Modelle.
Der Autor und politische Berater Robert Kagan erklärte: »Leider scheint dies für Trump und seine Anhänger nicht zu gelten, da sie den Schutz der Demokratie nicht als Priorität betrachten.«
Trump nutzt jede Gelegenheit, sich als furchtlosen Politiker darzustellen. Dieser Aspekt seiner Persönlichkeit, kombiniert mit seiner wirtschaftspolitischen Rhetorik, war entscheidend für seine Rückkehr an die Macht.
Über den Autor:

Daniels ist 19 Jahre alt und kommt aus Lettland. Er studiert europäische und internationale Politik an der Sciences Po in Straßburg im Rahmen eines deutsch-französischen Studiengangs. Er war ist Meinung, dass der Gewinn von Donald Trump kalkulierbar war. Deshalb vertiefte er in seinem Artikel die wirtschaftliche Situation der USA.