Stimmen gegen Rassismus und Populismus

Sechs Freiwillige, zwei Länder, ein gemeinsames Ziel: Mit deutsch-französischen Blogbeiträgen Stellung gegen Rassismus und Populismus beziehen.

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„Sagen, was ist“ – forderte Rudolf Augstein einst. Der Gründer eines der meistgelesenen deutschen Nachrichtenmagazine, des Spiegels, machte daraus einen Leitsatz für die Journalist*innen der Redaktion. Sagen, was ist. Das klingt so einfach, aber das ist es bei Weitem nicht immer. Besonders, wenn man das erste Mal einen journalistischen oder autobiografischen Beitrag verfasst. Besonders, wenn es um so sensible und gleichzeitig so dringliche Themen geht.

Projekt und Redaktion

Das Studierendenwerk Freiburg hatte mit einer Ausschreibung Studierende dazu aufgerufen, Erfahrungsberichte und Meinungstexte zu den Themen Rassismus und Populismus einzureichen – in Kooperation mit den Studierendenwerken Karlsruhe, Strasbourg, Mulhouse und Lyon.

Im Rahmen des daraus entstandenen Blogprojekts formte sich ein Redaktionsteam von deutschen und französischen Freiwilligen der Studierendenwerke und Universitäten der jeweiligen Standorte.

Grenzübergreifende, zweisprachige Redaktionsarbeit

Wichtig und wertvoll für die Redaktionsarbeit mit politikorange war insbesondere eine gemeinsame Einführung zu diskriminierungssensibler Sprache und rassismuskritischer Berichterstattung von Gilda Sahebi von den Neuen Deutschen Medienmacher*innen e.V.

Die Studierenden und Freiwilligen verfassten sowohl eigenständige als auch gemeinsame Beiträge, persönliche Erfahrungsberichte und Meinungsbeiträge. Die Autor*innen der eingereichten Erfahrungsberichte wurden direkt von unseren Chefredakteurinnen kontaktiert und arbeiteten im Folgenden selbständig an ihren Texten. Meinungsbeiträge haben die sieben Redakteur*innen teilweise gemeinsam mit den studentischen Verfasser*innen bearbeitet, andere Redaktionsmitglieder wiederum entschieden sich, auch eigene Text zu schreiben – auf Französisch und Deutsch.

In ihren inzwischen veröffentlichten Beiträgen berichten die Teilnehmenden über eigene Rassismuserfahrungen, über Kindheit und das Erwachsenwerden, Widerstände, Klischees und starke rassistische Stereotype. Viele der thematisch breit gestreuten Beiträge vereint ihre Nachdenklichkeit, weil sie eine Gesellschaft kommentieren, die auch trotz der offensichtlichen Notwendigkeit zum Beispiel während der Corona-Krise nicht immer solidarisch ist, im Gegenteil. Eine Redakteurin richtet den Blick auf Amerika und die Politik Donald Trumps. Es geht auch um rechte Netzwerke, die wie Wölfe im Schafspelz durch die Online-Welt ziehen und um antisemitische Parolen, die aktuell auf Corona-Demos offen artikuliert werden. In einem Interview wird das Thema Abtreibung in Ecuador zur Sprache gebracht.
In einer anderen kritischen Reflexion fragt sich die Autorin, was das eigene weiß-Sein bedeutet und wie man von diesem Standpunkt aus über Rassismus reden kann.

Die Teilnehmer*innen haben über das geschrieben, was ihnen auf dem Herzen liegt. Sie sagen, was ist. Sie fragen, wie es so weit kam und wie es sein könnte. Sie schreiben darüber, was sie beschäftigt und prägt. Eine Lektüre der in diesem Projekt entstandenen Texte lohnt sich nicht zuletzt auch um seinen eigenen Blick in Bezug auf die Themen Rassismus und Populismus zu schärfen – um zu verstehen, was ist.

Das Schöne an dem bilingualen Redaktionsteam war, dass wir alle unglaublich viel voneinander lernen konnten: Sei es auf sprachlicher Ebene in Form neuer Vokabeln und journalistischer Ausdrücke, oder auf sozio-politischer und kultureller Ebene durch neue Ansichten und Einsichten zu Themen, die uns doch alle auf die eine oder andere Weise bewegen und verbinden.

Das Projekt wurde durch das Deutsch-Französische Jugendwerk gefördert.

*Artikelbild von Sushil Nash / unsplash


Über die Autorinnen:

Christina Braun

…studiert Interkulturelle Deutschland und Frankreichstudien in Freiburg und Lyon. Sie arbeitet für das Studierendenwerk Freiburg und hat die Blogredaktion koordiniert. Eine Schwäche hat sie für Croissants, gute Bücher und Classical Art Memes.

Véronique Gantenberg

…ist deutsch-französisch aufgewachsen. Sie arbeitet als freie Journalistin beim ARD-Politikmagazin MONITOR und in der Wissenschaftsredaktion Quarks. Ihr journalistisches Herz schlägt für Politik, Gesellschaft, Europa und größere Recherchen.

Hannah Bernstein

…studiert Erziehungswissenschaften und hat einen Bachelor in Sozialwissenschaften. Ihre journalistische Erfahrung speist sich aus Magazin-Workshops, Praktika (Darmstädter Echo und taz) sowie Artikeln für verschiedene Magazine und Portale.

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